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Spätmittelalter

Aus dem Spätmittelalter stammt die erste schriftliche Erwähnung der St. Prokulus Kirche. Dabei handelt es sich um eine Kaufurkunde aus dem Jahr 1365, der zufolge die Herren von Annenberg St. Prokulus mit dem Recht erwarben, dort Bestattungen vorzunehmen. Kurz zuvor hatte das Adelsgeschlecht eine Burg auf der gegenüberliegenden Talseite erstanden. Die Annenberger waren es auch, die im Anschluss an den Kauf eine umfassende Neugestaltung der Kirche veranlassten. Ihre Familiengruft ließen sie im Kirchenschiff anlegen. Der Grabstein aus weißem Marmor ist bis heute erhalten. An Funden konnten unter anderem Goldfäden eines kostbaren Gewandes aus Brokatstoff geborgen werden. Das Kleidungsstück diente als Totengewand für einen Angehörigen der Annenberger Adelsfamilie, der hier im 14. Jahrhundert beerdigt wurde.

Während in vielen Gegenden Europas die Romanik bereits im Laufe des 13. Jh. zu Ende gegangen war, verlief diese Entwicklung in Südtirol und insbesondere im Vinschgau etwas anders. Hier verhinderten kriegerische Auseinandersetzungen und Armut bis in die Zeit um 1500 ein wirkliches "Erblühen" der Gotik. Nicht zuletzt deshalb haben sich in dieser Gegend besonders viele romanische Bauelemente und Bauwerke bis heute erhalten. Geprägt ist der romanische Stil im Tal vom Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, vom rätoromanischen Erbe, dem fränkischen Einfluss und der Gründung des mächtigen Klosters Marienberg.