Frühe Neuzeit
Tirol ist seit jeher ein Durchzugsgebiet und daher in besonderem Maße der Seuchengefahr ausgesetzt. Viele Reisende und Händler zogen entlang der wichtigen Nord-Süd Transitstrecken durch das Land. So verwundert es nicht, wenn im Jahr 1636 die damals grassierende Fleckfieberepidemie auch Naturns erfasste. Innerhalb weniger Monate starb jeder vierte Einwohner daran. St. Prokulus wählte man als Begräbnisstätte für die Seuchenopfer.
Der restliche Teil Tirols war bereits länger von der umgangssprachlich als Pest bezeichneten Seuche befallen. Immerhin zwei Jahre lang war es Wachen an den Dorfeingängen gelungen, Naturns vor der Epidemie zu schützen. Letztlich waren die Vorsichtsmaßnahmen vergeblich. Zu viele Soldaten, die am 30jährigen Krieg beteiligt waren, zogen damals durch den Vinschgau und schleppten die Krankheit mit sich.
Bereits seit dem 16. Jahrhundert wurden vermehrt Vorschriften zur Vorbeugung und Bekämpfung derartiger Epidemien erlassen. Pestärzte mit Schnabelmasken untersuchten die Kranken. Erkrankungen mussten gemeldet werden und Bader hielten Totenschau. In den Pesthäusern pflegten Wärterinnen die Kranken, Zuträger versorgten sie mit Nahrung. Oft wurden Straftäter und Prostituierte für diese Dienste eingesetzt. Angehörige von Infizierten brachte man in Lazaretten unter. Die Toten wurden auf außerhalb der Ortschaften liegenden Pestfriedhöfen geschafft. Bei Seuchengefahr konnten Grenzen geschlossen und strenge Kontrollen durchgeführt werden.


