Gotische Fresken
Die gotischen Wandmalereien von St. Prokulus standen seit jeher im Schatten der älteren und bis heute einzigartigen Wandgemälde des Frühmittelalters. Bezeichnend dafür ist, dass jene gotischen Malereien, die ihre frühmittelalterlichen Vorgänger überlagerten, während der Restaurierung im Jahr 1923 samt darunter liegendem Wandverputz einfach abgenommen wurden. Teile davon galten lange Zeit als verschollen. Nunmehr sind sie im Prokulus Museum wieder zu sehen.
Ihre Geschichte begann mit der weit reichenden Umgestaltung der Kirche im 14. Jh. Zunächst wurde um 1330/1340 der Altarraum malerisch völlig neu gestaltet. Die Rückwand zierte von nun an eine Kreuzigungsszene, die stilistisch der Frühgotik zugeordnet werden kann. Charakteristisch dafür sind die streifenförmige Umrahmung der Bildfläche, der blau gehaltene Hintergrund, die schlanken, wenig körperhaft ausgeführten Figuren und das völlige Fehlen von Räumlichkeit. Die Gewölbetonne erhielt zur selben Zeit eine Ausmalung die den Weltenrichter zeigt, der von den Evangelistensymbolen umgeben ist.
Nachdem die Annenberger Adelsfamilie St. Prokulus erworben hatte, ließen sie das Kirchlein um 1415/1420 ein weiteres Mal malerisch neu gestalten. Der Bildinhalt im Altarraum blieb derselbe. Im Kirchenschiff wurden die frühmittelalterlichen Malereien, die man als nicht mehr zeitgemäß erachtete, übermalt. Als Bildinhalte erscheinen unter anderem der Tod Mariens und das Katharinamartyrium. Zeitgleich brachte man an der Außenfassade der Kirche insgesamt 11 Einzelgemälde an, die als Bilderzyklus die Schöpfungsgeschichte samt Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies darstellen.


